Impfen – Ja, Nein, Jein?

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Immer wieder beobachten wir in den Medien Fälle von Infektionsausbrüchen oder sogar Todesfälle aufgrund von Krankheiten, gegen die entsprechende Impfstoffe existieren. So auch wieder der Fall Ende 2014 im Raum Berlin, wo eine Maserninfektionswelle ausgebrochen war. Im Februar dann die Meldung, dass ein kleiner Junge an den Masern verstorben war.

Mittels einer präventiven Impfung kann ein Immunschutz aufgebaut werden, bevor der Körper dem Erreger ausgesetzt wird, was dann zu einer verbesserten Immunantwort im Falle einer Infektion führt. Als Immunologen ist es für uns schwer nachvollziehbar, warum man sich nicht impfen lassen würde, weil die Impfstoffe heutzutage gut entwickelt sind und einen guten Schutz bieten. So können wir uns , dank Impfkampanien, gegen mittlerweile seltener gewordenen Krankheiten impfen lassen, wie zum Beispiel Masern oder Röteln. Aber auch gegen die jährliche Grippe werden Impfstoffe zur Verfügung gestellt.

Was passiert bei einer Impfung?

Die Grundidee einer Schutzimpfung ist, dass dem Immunsystem der Erreger in einer unschädlichen Form präsentiert wird, sodass der Erreger kennengelernt und in einer Infektionssituation bekämpft werden kann. Hierzu werden inaktivierte Teilkomponenten des Erregers, oder abgeschwächte Erreger injiziert. Die Erregerkomponenten werden von Immunzellen (z.B. den Makrophagen, Dendritische Zellen) erkannt, woraufhin diese wiederum andere Immunzellen aktivieren und mobilisieren. Es läuft also eine Immunantwort wie im Falle einer Infektion ab, nur dass uns der im Impfstoff enthaltene abgeschwächte oder abgetötete Erreger nicht krank machen kann, er reicht aber aus, um unser Immunsystem zu aktivieren und einen Immunschutz ausbilden zu lassen. Im Falle einer tatsächlichen Infektion mit dem natürlichen Erreger erkennt unser Immunsystem diesen dann schneller, bevor sich dieser in unserem Körper vermehren und ausbreiten kann, und bekämpft ihn effektiver.

Eine andere Art der Impfung, ist die passive Impfung, in der nicht eine Variante des Erregers injiziert wird, sondern fertig ausgebildete Immunsystemkomponenten, die sogenannten Antikörper, die unsere Immunantwort beschleunigen. Eine solche Impfung kann vorgenommen werden, wenn schon eine Infektion vorliegt und die Bekämpfung unterstützt werden muss. Beispiele hierfür sind die Tollwut passiv Impfung oder die gegen Wundstarkrampf. Hier werden Erreger über Bisswunden oder verschmutze Wunden übertragen.

Zweifel an Impfungen

Nun haben manche unter uns Bedenken sich impfen zu lassen, weil man eventuell auch von der Impfung selbst krank werden könnte. Hier ist es wichtig zu unterscheiden, dass die Geimpften für gewöhnlich nicht an dem geimpften Erreger erkranken, sonder zum Beispiel über erhöhte Temperatur oder Rötungen gesprochen wird. Wir dürfen nicht vergessen, dass es eben das Ziel einer Impfung ist eine Immunantwort auszulösen. Dies hat unter Anderem die Folge, dass sich Immunzellen vermehrt an der Einstichstelle ansammeln um auf den Impfstoff zu reagieren, was zu einer Rötung führt. Auch eine erhöhte Temperatur kann auf eine gesteigerte Aktivität des Immunsystems zurückzuführen sein, da bei einer Immunantwort auch Entzündungsmediatoren freigesetzt werden, die zum Beispiel die Gefäßpermeabilität erhöhen sollen, damit die Immunzellen leichter an Ihre Zielorte/Gewebe gelangen können. Daher empfiehlt der Arzt nach einer Impfung für gewöhnlich auch keinen Ausdauersport zu betreiben und sich ein oder zwei Tage zu schonen. Dies kann helfen, um zum Beispiel Erkältungssymptomen wie Müdigkeit und Fieber vorzubeugen.

Ein herber Rückschlag für die Akzeptanz von Impfungen ging mit der Veröffentlichung in der Zeitschrift „The Lancet“ im Februar 1998 einher http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0140673697110960. In dieser Arbeit wurde ein Zusammenhang zwischen der Mumps, Masern, Röteln Dreifachimpfung und Autismuserkrankungen postuliert. Die Untersuchung wies aber laut einer Überprüfung der britischen Ärztekammer zahlreiche Mängel auf, woraufhin die Veröffentlichung offiziell von dem Fachmagazin zurückgezogen wurde und dem Autor und Arzt die Zulassung entzogen wurde. Dennoch hält sich die Nachricht über Autismus in Zusammenhang mit Impfungen hartnäckig in den Köpfen der Menschen und führte zu einem Rückgang der Impfraten.

Ich persönlich bin, nicht zuletzt auch aufgrund meiner Reiseleidenschaft, gegen ziemlich vieles durch geimpft und habe dabei ein besseres Gefühl. Ich hatte auch noch bei keiner der Impfungen Nebenwirkungen feststellen können.

Außerdem, muss bei der Überlegung über eine Impfung auch über den persönlichen Schutz vor Krankheiten hinaus gedacht werden. Krankheiten weiten sich aus, weil sich Lebewesen gegenseitig infizieren. Dies kann unterbrochen werden, wenn möglichst viele Menschen gegen Krankheiten geimpft sind und einen Schutz entwickeln. Dadurch, dass diese dann einen besseren Immunschutz haben werden weniger Menschen krank und die Infektionskette kann unterbrochen werden. Deshalb halte ich persönlich es für so wichtig, dass sich möglichst viele Menschen impfen lassen und dass wir hoffentlich bald mehr Krankheiten als ausgestorben deklarieren können. Wichtig ist, sich auch gegen seltener gewordene Krankheiten immer noch impfen zu lassen, um einen erneuten Ausbruch auch weiterhin verhindern zu können. Außerdem, ist in diesem Zusammenhang auch von Bedeutung zu beachten, dass manche Impfungen erst mit einem bestimmten Alter möglich sind, zum Beispiel die Masernimpfung die für Kinder ab 11 Monaten vorgesehen ist. Somit bietet eine durch geimpfte Bevölkerung auch einen indirekten Schutz für diejenigen, die selbst noch nicht geimpft werden können und sich potentiell anstecken könnten.

Also schaut einmal wieder in euer Impfbuch und überprüft, ob ihr noch eine Auffrischung oder neue Impfung benötigt. Eine Übersicht über die Auffrischungszeitpunkte und empfohlene Impfungen findet ihr unter folgendem Link aufgelistet http://dgk.de/gesundheit/impfen-infektionskrankheiten/impfschutz-fuer/erwachsene.html

Falls Ihr Fragen habt wendet euch gerne an uns.

Immunoblogist

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