Nachrichten analysiert: Krebsimpfungen

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Der Begriff der Krebsimpfung ist letzte Woche durch die Nachrichten gegeistert. Die Impfung soll hierbei das Immunsystem so manipulieren, dass das Immunsystem Krebszellen tötet. Der Therapieansatz zählt zu den Immuntherapien gegen Krebs – obwohl der Wirkmechanismus gänzlich Anders ist als bei den Checkpoint-Inhibitoren, von denen wir hier berichtet haben.

Über die allgemeinen Grundlagen von Impfungen haben wir in einem früheren Blog-Eintrag im Detail berichtet. Nochmal kurz zusammengefasst: Impfungen sollen dem Immunsystem einen Erreger auf eine Art und Weise vorstellen, die keine Krankheit hervorruft. Dadurch wird die Immunantwort im Fall der richtigen Infektion stärker und schneller, was vor lebensbedrohlichen Krankheiten schützen kann.

Aber wie können wir gegen Krebs impfen?

Den Meisten von euch ist die erste Möglichkeit der Krebsimpfung wahrscheinlich bekannt: es ist eine Impfung gegen Viren die Krebs verursachen können. Dieser Ansatz ähnelt einer klassischen Impfung: Teile des Viruses werden in eine Person injiziert um die Immunantwort gegen den Erreger zu verbessern und dadurch eine Infektion und die anschließende Entwicklung von Krebs zu verhindern. Die zweite Art der Krebsimpfstoff ist ausgefallener und war diese Woche in den Nachrichten. Hierbei werden aus dem Krebspatienten entnommene Immunzellen im Labor mit krebsspezifischen, mutierten Proteinen in Verbindung gebracht und danach wieder in den Krebspatienten injiziert. Dieser Impfung ist eine Form von personalisierter Behandlung, da die mutierten, krebsspezifischen Proteine in jedem Krebspatient unterschiedlich sind.

HPV-Impfung

Der humane Papillomavirus (HPV) ist weithin dafür bekannt, dass er Gebärmutterhalskrebs bei Frauen auslöst. Der sexuell übertragbare Virus infiziert die Haut und Schleimhäute und ist subklinisch, was bedeutet, dass er in den meisten Menschen keine Symptome verursacht. HPV16 und HPV18 (zwei der 40 Typen von HPV) sind allerdings für 70% aller Fälle von Gebärmutterhalskrebs verantwortlich.

Ausgehend von diesem Zusammenhang hat Forschungsarbeit von Harald zur Hausen, für die er einen Nobelpreis gewann, zur Entwicklung eines HPV-Impfstoffes geführt. Heutzutage werden Mädchen im Alter von 11 bis 14 Jahren auf der ganzen Welt routinemäßig gegen HPV geimpft. Zwei Impfstoffe stehen momentan zur Verfügung: Gardasil und Cervarix. Beide schützen vor der Erstinfektion mit HPV16 und 18, was Krebs vorbeugt. Gardasil schützt zusätzlich gegen die HPV-Typen 6 und 11, die 90% der Genitalwarzen verursachen. Da die Impfung nur vor der Erstinfektion mit HPV schützt, ist es wichtig, dass die Impfung sehr jungen Mädchen, bevor sie Sex haben, gegeben wird.

Eine weniger bekannte Tatsache über HPV ist, dass der Virus nicht nur Männer und Frauen gleichermaßen befällt, aber das er auch bei Männern Krebs versuchen kann. HPV ist die häufigste Ursache für Mundhöhlen- und Rachenkrebs bei Männern und kann auch Penis- oder Analkrebs und Genitalwarzen verursachen. Eine klinische Studie hat gezeigt, dass die Impfung von jungen Männern gegen HPV gegen Analkrebs und Genitalwarzen schützen kann und Gardasil hat die klinische Zulassung für den Einsatz bei Jungen und Mädchen. Aber während Jungen in den USA und Australien routinemäßig geimpft werden, werden in Deutschland und Großbritannien nur Mädchen geimpft. Mir persönlich erscheint dies wenig sinnvoll und hoffentlich werden die Impfrichtlinien bald geändert.

Personalisierte Krebsimpfungen

Personalisierte Krebsimpfungen, die gegen krebsspezifische Mutationen gerichtet sind, sind noch nicht für die klinische Anwendung genehmigt. Es gibt aber momentan eine Menge Forschung auf diesem Gebiet. Forscher aus der Universität von Washington veröffentlichten nun vielversprechende Ergebnisse in Melanom-Patienten.

In der Studie wurde das Krebs-Genom in drei Melanompatienten sequenziert. Das bedeutet, das Tumorbiopsien auf Mutationen in der DNA hin analysiert wurden. Diese Mutationen führen zur Bildung von mutierten Proteinen die es so nur im Tumorgewebe gibt. Sie werden Neoantigene genannt. Theoretisch können diese Neoantigene in Impfungen verwendet werden, um das Immunsystem spezifisch zu aktivieren und die Zerstörung von Krebszellen einzuleiten.

Das verwendete Impfverfahren unterscheidet sich jedoch stark von den “normalen” Impfungen, die wir bisher besprochen haben. Anstatt der Impfung der Patienten mit den identifizierten Neoantigenen, werden Immunzellen aus dem Blut der Patienten isoliert, in sogenannte Antigen-präsentierende Zellen (APZ) differenziert und mit den mutierten Proteinen im Labor in Verbindung gebracht. APZ sind hochspezialisierte Immunzellen, die Proteine von Krankheitserregern aufnehmen und sie anderen Immunzellen, sogenannten T-Zellen, zeigen, um diese zu aktivieren. Nachdem die APZs die patientenspezifischen Neoantigenes aufgenommen haben, werden die Zellen wieder in den Patienten injiziert, wo sie T-Zellen auf die Krebszellen ansetzen sollen. Und wirklich waren zwei Wochen nach der Impfung krebsspezifische T-Zellen im Blut der drei Melanomapatinten, die in dieser Studie untersucht wurden, vorhanden!

Ähnliche Studien mit Krebs assoziierten Antigenen (im Gegensatz zu krebsspezifischen Antigenen, sind diese auch in nicht-Krebszellen vorhanden, aber in geringer Menge) zeigten keine Erfolge in Klinischen Studien. Doch da der neue Therapieansatz Antigene verwendet, die nur im Tumor zu finden sind und da der Impfstoff auf sieben Neoantigenen beruht und nicht nur einem, wie die bisherigen Studien, sind die Forscher optimistisch, was ihre Impfung angeht. Und wir werden euch über neue Ergebnisse auf diesem Gebiet auf dem Laufenden halten.

Aufgrund des komplexen Herstellungsprozesses und der Tatsache, dass der Impfstoff für jeden Patienten unterschiedlich sein muss, ist diese Therapie teuer und für eine lange Zeit wollten Pharmaunternehmen nicht in personalisierte Ansätz investieren. Allerdings werden nicht nur die Methoden rund um diesen Ansatz immer besser und billiger, so scheint es auch, dass die Pharmaindustrie jetzt bereit ist, Geld für die neuen Therapieansätze auszugeben, wie in diesem Beitrag auf der Website Nature beschrieben ist.

Falls Ihr Fragen habt wendet euch gerne an uns.

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