Publizieren – ein Fluch oder Segen?

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Zuvor haben wir schon auf unserem Blog über den Arbeitstag eines Wissenschaftlers und wie Experimente geplant und durchgeführt werden berichtet hier. Zusätzlich zur experimentellen Arbeit, verbringen Wissenschaftler viel von ihrer Zeit mit Schreibtätigkeiten. Zu dem Zeitpunkt, an dem die Experimente dann endlich funktioniert haben und neue interessante Ergebnisse herausgekommen sind schreiben wir diese zu Artikeln zusammen und publizieren Sie, um die Neuigkeiten in der Wissenschaftlichen Gemeinschaft zu verteilen. Soweit die Theorie, in Wirklichkeit ist es ein wenig komplizierter.

Tatsächlich schreiben wir einen Artikel, bestehend aus Text und Abbildungen, die die Ergebnisse zeigen, der dann zu einem der vielen Wisschaftszeitschriften geschickt werden muss, mit der Anfrage ihn in ihrer Zeitschrift zu publizieren. Hierzu müssen wir die Zeitschrift, zu der wir unseren Artikel schicken wollen weise auswählen und dann unseren Artikel gemäß den Zeitschriftsrichtlinien formatieren. Dann schicken wir den Artikel an die Zeitschrift unserer Wahl, zusammen mit einem Brief, der erklärt, warum unsere Arbeit es Wert ist in ihrer Zeitschrift publiziert zu werden.

Nun ist es so, dass wir nicht ausschließlich publizieren, um das neue Wissen in der Welt zu verteilen, sondern auch, weil ein Wissenschaftler auf eine gute wissenschaftliche Reputation angewiesen ist, um sich auf Stellen zu bewerben. Wir müssen uns in etwa alle zwei bis vier Jahre um eine neue Stelle kümmern, da es nur sehr wenige permanente Stellen in der Grundlagenforschung in Deutschland gibt. Wir haben das sogenannte “Wissenschaftszeitvertragsgesetz” (http://www.bmbf.de/de/6776.php), auch 12-Jahresregel genannt, dass die Dauer von befristeten Verträgen reguliert. Nach 12 Jahren mit befristeten Verträgen, muss der Angestellte eine permanente Stelle bekommen und kann nicht mehr im Rahmen eines befristeten Vertrages beschäftigt werden. Die Idee hinter diesem Gesetz war, die befristeten Verträge zu reduzieren und permanente Stellen zu schaffen. Das Ergebnis ist jedoch, dass es schwer ist nach 12 Jahren befristeter Arbeitsverträge eine Arbeitsstelle zu bekommen, weil nur äußerst selten feste Stellen angeboten werden.

Daher müssen wir uns regelmäßig für neue Jobs bewerben und in einem relativ kurzen Zeitraum versuchen unabhängige wissenschaftliche Gruppenleiter zu werden. Für diese Bewerbungen benötigen wir „gute“ Publikationen (syn.: Paper) um die guten Jobs bekommen zu können.

Was ist eine gute Publikation?

Der Wert eines Papers wird heutzutage an dem sogenannten impact factor gemessen, der die Zitationsfrequenz von Zeitschriften wiedergibt. Es gibt also eine hierarchische Liste von wissenschaftlichen Zeitschriften in denen publiziert werden kann. Die logische Konsequenz hieraus ist, dass viele Wissenschaftler versuchen in den „top“ Zeitschriften zu publizieren. Diese top Zeitschriften bekommen also eine Menge Zusendungen und folglich wird es immer schwieriger einen Artikel in diesen Zeitschriften zu publizieren, da sich diese die Besten aussuchen können.

Wenn dein Artikel nicht in der Zeitschrift deiner Wahl zur Veröffentlichung ausgewählt wird wirst du eine Ablehnung erhalten. Dann gilt es den Artikel zu reformatieren und zu einer anderen Zeitschrift zu schicken, um zu versuchen, Ihn woanders zu veröffentlichen und so weiter und so fort. Mit etwas Glück dauert der gesamte Prozess bis zur Veröffentlichung nicht zu lange (Monate), im ungünstigeren Fall kann es aber bis zu mehreren Jahren dauern, wenn die Ergebnisse nicht in das Portfolio der Zeitschrift passen, oder die Daten noch nicht gut genug sind und weitere Experimente gemacht werden und der Artikel umgeschrieben werden muss.

Warum is es so schwer zu publizieren?

Als Ich mein letztes Paper geschrieben habe wurde Ich von einem Nicht-Wissenschaftler gefragt, warum wir uns mit unseren Artikeln um eine Veröffentlichung bei den Zeitschriften bewerben müssen, und warum die Zeitschriften nicht vielmehr dankbar dafür sind, unsere Daten veröffentlichen zu dürfen. An diesem Punkt viel mir auf, dass mir eine ordentliche Erklärung gar nicht so leicht fiel. Zunächst einmal benötigen wir Qualitätskontrollen. Andernfalls könnte jeder Wissenschaftler alles veröffentlichen, was ihm so in den Sinn käme, ohne eine Kontrolle über die Stichhaltigkeit der Studie. Diese Kontrolle wird von unabhängigen Gutachtern vorgenommen, denen die Zeitschrift den Artikel zur Begutachtung zusendet. Wir als Wissenschaftler wissen jedoch, wie schwierig es manchmal ist, zu beurteilen, ob eine Studie es wert ist in einer bestimmten Zeitschrift veröffentlicht zu werden. Häufig gehen die Meinungen der Gutachter über die Entscheidung der Veröffentlichung auseinander.

Als Ich dann mein Paper zur Veröffentlichung akzeptiert bekommen habe bekam ich eine weitere irritierte Frage bezüglich der Veröffentlichungsgebühren gestellt. Sogar vielmehr anders herum, wurde Ich gefragt, ob Ich denn etwas bezahlt bekäme für die Veröffentlichung meines Artikels. Sie dachten, dass Ich eine Bezahlung erhalten würde, etwa so, wie jemand der ein Buch oder ähnliches veröffentlicht. Ich musste das also verneinen und erklären, dass wir vielmehr eine Veröffentlichungsgebühr bezahlen müssen, die in der Größenordnung von mehreren Tausend Euro (~3.000-8000 Euros/Artikel) liegen kann, abhängig von der Zeitschrift, der Seitenanzahl, Anzahl der Farbabbildungen etc.. Daraufhin erntete Ich zunächst Stille und dann die Frage, ob Ich das selbst zahlen müsste und warum man denn dann seine Artikel dorthin schicken würde anstatt sie gratis irgendwo im Internet zu veröffentlichen. Die Antwort darauf hat mich zurück zum Thema der Fördermittelanträge gebracht, über die wir hier auch schon berichtet haben, und dass wir Anträge auf Fördermittel schreiben, die dann auch Gelder für Publikationsgebühren beinhalten können. Also nein, Ich muss die Gebühr nicht selbst von meinem privaten Geld bezahlen, in meinem Fall wird es von den Fördermittelgeldern meines Vorgesetzten bezahlt. Die Frage, warum wir es dann nicht eher umsonst irgendwo im Internet hochladen anstatt es zu einer „high impact“ Zeitschrift zu schicken, obwohl dort ein harter Selektionsdruck und hohe Gebühren existieren könnt Ihr jetzt nach diesem Blogeintrag vielleicht schon selbst beantworten: wir benötigen gute Publikationen für unsere wissenschaftliche Reputation und unsere Bewerbungen… Könnt Ihr auch den Teufelskreis erkennen? Wir müssen regelmäßig neue Jobs finden und brauchen dafür gute Paper, für diese wiederrum brauchen wir Fördergelder und oft benötigen wir auch Fördergelder für neue Arbeitsstellen, wenn wir zum Beispiel ins Ausland gehen wollen.

Gebührenfreie online Zeitschriften als Lösung?

Nichtsdestotrotz sind in letzter Zeit mehr und mehr gebührenfreie frei-zugängliche Veröffentlichungsseiten im Internet entstanden. Die Idee dahinter ist, den Kreislauf zu durchbrechen und Wissenschaftlern zu ermöglichen, Ihre Artikel ohne hohe Gebühren zu veröffentlichen. Der klare Vorteil dieses Systems ist der Wegfall der Budget-basierten Publikationslimitierung, da hierdurch auch Labore mit geringerem Budget oder aus Entwicklungsländern die Möglichkeit bekommen Ihre Daten zu veröffentlichen. Die meisten gebührenfreien online Seiten haben noch nicht die wissenschaftliche Reputation wie alt eingesessene Zeitschriften, was dazu führt, dass Autoren sich weniger häufig für eine Veröffentlichung in diesen Medien entscheiden.

Das Schreiben ist also neben dem Experimentieren eine unserer Haupttätigkeiten in unserem Beruf als Wissenschaftler, die Daten Analyse nicht zu vergessen, die einen weiteren Teil ausmacht.

Ich hoffe Ihr habt noch mehr über das Leben eines Wissenschaftlers lernen können und habt einen Einblick in den Prozess hinter dem wissenschaftlichen Publizieren gewinnen können.

Falls Ihr Fragen dazu habt, schreibt uns gerne.

Immunoblogist

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