Zika und Mikrozephalie: Warum ein Kausalzusammenhang so schwer nachzuweisen ist.

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Der Zika-Virus dominiert noch immer die Nachrichten. Er soll mit einem Geburtsdefekt namens Mikrozephalie in Verbindung stehen. Die Krankheit führt zu unterentwickelten Gehirnen und kleineren Köpfen bei Neugeborenen, vor allem in Süd- und Mittelamerika. Es ist allerdings nicht so einfach einen kausalen Zusammenhang zwischen dem Virus und dem Defekt zu beweisen.

Doch zuerst, was wissen wir eigentlich über den Zika-Virus?

Der Virus gehört zur Familie der Flaviviren und wird von tagaktiven Aedes Moskitos verbreitet. Die Gruppe der Flaviviren hat noch weitere bekannte Mitglieder: Gelb- und Dengue-Fieber. Im Gegensatz zu diesen schweren, manchmal sogar tödlichen Erkrankungen, verursacht Zika aber meist keine oder nur milde Symptome (z.B. Hautausschlag oder leichtes Fieber). Die meisten Patienten bemerken die Infektion garnicht und wenn, ist die verschriebene Behandlung in der Regel Ruhe.

Entdeckt wurde der Virus bereits 1947 in Uganda. Von dort breitete sich der Virus in einem schmalen äquatorialen Gürtel von Afrika nach Asien aus, infizierte aber hauptsächlich Affen. Infektionen beim Menschen wurden vor 2007 nur selten beschrieben. Dann ereignete sich ein Ausbruch auf der Insel Yap, im pazifischen Inselstaat Mikronesien, wobei sich 75 Prozent der Bevölkerung mit dem Virus ansteckten. Von dort, weiter nach Osten, erreichte der Virus im Jahr 2015 Mittel- und Südamerika sowie die Karibik, wo der Ausbruch pandemische Zustände angenommen hat. Betrachtet man die milden Symptome einer Zika-Infektion scheint das alles nicht so schlimm. Das Problem ist aber, dass die Infektion nun mit dem Auftreten von Mikrozephalie in Neugeborenen korreliert.

Aufgrund der schnellen Ausbreitung des Viruses hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Zika zu einem globalen Notfall erklärt und prognostiziert vier Millionen Infektionen allein in Süd- und Nordamerika! Diese Warnung und der Mangel an Wissen über die genauen Auswirkungen des Virus auf Schwangerschaften hat dazu geführt, dass viele Länder Reisewarnungen für die betroffenen Gebiete ausgesprochen haben. Einige betroffene Länder wie Kolumbien, Ecuador und Jamaika bitten Frauen sogar Schwangerschaften zu verschieben, bis mehr bekannt ist!

Was genau ist über die Folgen einer Zika-Virus-Infektion während der Schwangerschaft bekannt?

Erste Berichte über eine Zusammenhang zwischen Zika und Mikrozephalie bei Neugeborenen basieren auf Korrelationen. Während des jüngsten Zika-Ausbruchs in Südamerika nahm die Zahl der mit Mikrozephalie geborenen Kinder von etwa fünf Fällen pro 100.000 Lebendgeburten auf 200 pro 100.000 zu. Während dies wie ein starker Beweise scheint, ist es wichtig zu beachten, dass dies nur eine Korrelation ist und kein kausaler Zusammenhang.

Und Kausalität und Korrelation sind nicht das Gleiche!

Kausalität ist das abstrakte Wort für eine ursächliche Verbindung zwischen zwei Faktoren. Die Faktoren beeinflussen sich also gegen- oder einseitig. In diesem Fall würde Kausalität bedeuten, dass eine Infektion mit dem Zika-Virus Mikrozephalie verursacht. Dies ist bisher aber nicht eindeutig nachgewiesen worden – es wurde nur gezeigt, dass die beiden Faktoren korrelieren; wir sehen also einen Anstieg in der Zahl der Zika-Infektionen sowie einen Anstieg der Mikrozephalie Fälle. Es ist aber noch unklar, ob der Anstieg der Mikrozephalie Fälle auf Zika Infektionen oder etwas anderes zurückzuführen ist.

Um den Unterschied zwischen Kausalität und Korrelation weiter zu verdeutlichen, schaut euch mal diese Website an. Sie lässt euch zufällige Dinge korrelieren. Zum Beispiel: Die Scheidungsrate in Maine mit dem Verzehr von Margarine. Und während weniger Margarine Verbrauch mit einem Rückgang der Scheidungen korreliert, gibt es keinen ursächlichen (kausalen) Zusammenhang zwischen den beiden Messwerten. Die beide Zahlen fallen zufällig im Laufe der Jahre.

correlation

Während ein kausaler Zusammenhang zwischen Zika und Mikrozephalie nicht bewiesen ist, gibt es doch Hinweise darauf:

Was wäre ein endgültige Beweis für einen Kausalzusammenhang?

Eine so genannte Fall-Kontroll-Studie. Bei dieser Art von Studie werden große Gruppen von Menschen verglichen um einen kausalen Zusammenhang zwischen zwei Faktoren beurteilen zu können. In diesem Fall würden man schwangere Frauen in von Zika-betroffenen Gebieten für die Studie rekrutieren und auf eine Zika-Infektion testen. Anschließend wird die Häufigkeit von Mikrozephalie bei Babys zwischen infizierten und nicht infizierten Schwangeren verglichen. Wenn Zika die Ursache für Mikrozephalie ist (ein Kausalzusammenhang), würden man eine größere Zahl von Mikrozephalie Fälle in den infizierten Frauen feststellen. Unser bisheriges Wissen basiert auf dem Anstieg der Mikrozephalie Raten in allen Neugeborenen in den von Zika betroffenen Gebieten, unabhängig vom Infektionsstatus der Mutter und ohne Berücksichtigung von anderen Faktoren die zu Gehirnfehlentwicklung führen können. Für Fall-Kontroll-Studien ist es wichtig, dass andere Faktoren wie Alter, andere Infektionskrankheiten und Umweltfaktoren auch mit dem Auftreten von Mikrozephalie korreliert werden. Dafür sind große, gemischte Gruppen maßgeblich, da sie die Auswirkungen anderer Faktoren minimieren.

Diese Faktoren lassen sich in Modellsysteme gezielt minimieren. Mäuse zum Beispiel, werden in der gleichen Umgebung gehalten und können so kontrolliert werden, dass der einzige Unterschied zwischen den zu vergleichenden Gruppen die Zika-Infektion ist. Noch gibt es allerdings keine Maus-Modell in denen man die Zika-Infektion nachahmen kann.

Beide Strategien werden derzeit bearbeitet und wir werden bald mehr wissen. Bis dahin gilt- Mückenschutz nicht vergessen!

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