Wenn man im Urlaub über die Pest stolpert..

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Während unseres Sommerurlaubs in den USA machten wir einen Zwischenstopp am Grand Canyon, wo wir beim Wandern auf das Schild oben stießen. Ich musste lachen. Klar, man sollte wilden Tieren ihren Platz lassen und sie nicht füttern – aber doch nicht weil sie die Pest haben! Der “Schwarze Tod”; die Krankheit, die ein Drittel der europäischen Bevölkerung im 14ten Jahrhundert getötet hat, tobt nicht wirklich noch in den USA. Oder etwa doch?

Noch am gleichen Abend habe ich „Pest und USA“ gegoogelt und erfahren, dass die Krankheit noch gelegentlich in ländlichen Teilen im Südwesten der USA auftritt, vor allem in Arizona, Colorado und New Mexico. Es werden durchschnittlich sieben Fälle pro Jahr gemeldet. Im Jahr 2015 waren es sogar 15 Fälle, von denen vier tödlich endeten. Insgesamt sind diese Zahlen sehr gering – aber dennoch stellt sich die Frage, wie die Pest, die in Europa ausgestorben ist, noch in den USA vorkommen kann.

 Was ist die Pest?

  • Eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien namens Yersinia pestis verursacht wird.
  • Die Krankheit ist endemisch in Madagaskar, Peru und der Demokratischen Republik Kongo.
  • 1000-2000 Fälle werden weltweit pro Jahr gemeldet.
  • Es existieren drei Formen der Erkrankung: Beulenpest, Pestsepsis und Lungenpest.
  • Beulenpest ist die häufigste Form und verantwortlich für etwa 80% der Fälle. Die Pestbakterien infizieren das Lymphsystem und verursachen geschwollene, manchmal schwarze Lymphknoten, die sogenannten Beulen. Die Symptome entstehen nach 2-6 Tagen und sind grippeähnliche mit Fieber, Kopfschmerzen, Schüttelfrost und Schwäche.
  • Wenn die Bakterien in den Blutstrom gelangen, spricht man von Pestsepsis.
  • Lungenpest ist die schwerste Form der Pest, die zur Lungenentzündung führt.
  • Mit Hilfe von Antibiotika kann die Krankheit behandelt und, wenn sie früh genug erkannt wird, die Sterblichkeitsrate von 60 bis 90% auf 10% gesenkt werden.
  • Momentan gibt es keinen Impfstoff für Menschen.

Die pestauslösenden Bakterien werden durch Flöhe (Xenopsylla cheopis) verbreitet. Im gängigen Infektionsmodell: Nagetier → Floh → Mensch, werden Nagetiere mit der Krankheit angesteckt und die Flöhe, für die die Bakterien unschädlich sind, sind die Vektoren, welche die Bakterien von den Nagetieren zum Menschen tragen.

Das natürliche Vorkommen der Krankheit bei Nagetieren wie Ratten, Eichhörnchen, Streifenhörnchen und Präriehunden ist eins der Probleme bei dem Versuch die Krankheit auszurotten. Wir müssen die Bakterien nicht “nur” beim Menschen auszurotten, sondern auch in allen Nagern. Die einzige Krankheit die jemals vom Menschen ausgerottet wurde, die Pocken, konnte nur Menschen infizieren.

Da die Beseitigung aller Nagetiere für unser Ökosystem unmöglich und gefährlich ist, werden momentan Impfstrategien für Frettchen und Präriehunde erforscht. Eine erfolgreiche Impfung von Frettchen gegen die Pest wurde bereits im Rahmen eines Recovery-Programms gezeigt. In dem Programm werden Frettchen in Gefangenschaft gezüchtet, geimpft und dann ausgewildert um die Population wild lebender Tiere zu erhöhen. Um auch wilde Tiere gegen Pest schützen zu können werden derzeit orale Impfstrategien getestet. Anscheinend bevorzugen Präriehunde den Geschmack von Erdnussbutterködern. Orale Impfungen von Wildtieren haben in Europa großen Erfolg gehabt, um Tollwut in Schach zu halten. Köder die den Impfstoff enthalten, werden aus Flugzeugen in Bereichen fallen gelassen, in denen gefährdete rote Füchse leben. Erste Versuche wurden in der Schweiz im Jahr 1978 durchgeführt, und viele Ländern wie z.B. Finnland, Schweiz, Frankreich und Deutschland wurden seither für tollwutfrei erklärt.

Bis die Impfprogramme erfolgreich eingerichtet sind, werden die Nationalparks in den USA Nagetierkolonien weiter überwachen. Wenn ein Ausbruch auftritt, werden Warnzeichen aufgestellt und betroffene Tiere mit Insektiziden behandelt, um Flöhe zu töten und so die Seuche an der Ausbreitung zu hindern.

Während die Chancen, die Krankheit zu übertragen niedrig sind, denkt an diese einfachen Vorsichtsmaßnahmen. Keine wild lebenden Tiere (tot oder lebendig) anfassen. Tragt lange Hosen. Verwendet Insektenschutzmittel um Flöhe fern zu halten. Gleiches gilt für Haustiere – einige der Pestfälle wurden von Haustieren, z.B. Katzen die tote Eichhörnchen heim brachten, ausgelöst.

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