Marathonschnupfen

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Ich laufe. Ich laufe sogar sehr gerne. Ende September bin ich meinen 6. Marathon gelaufen. Danach war ich krank. Mal wieder. Das ist mir jetzt fast jedes Mal nach dem Marathon passiert. Soll Laufen nicht eigentlich die Gesundheit fördern? Zeit herauszufinden was unser Immunsystem macht, wenn wir Sport treiben.

Mäßige sportliche Betätigung ist mit einem niedrigeren Infektionsrisiko verbunden. Eine Studie aus dem Jahr 2007 zeigte, dass Freizeitsportler ein geringeres Risiko haben an oberen Atemwegsinfektionen (also einer Erkältung) zu erkranken als bewegungsarme Probanden. Elite-Athleten, die an der gleichen Studie teilnahmen, hatten auch ein erhöhtes Risiko krank zu werden verglichen zu den Spass-Sportlern. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl zu wenige als auch zu viel Bewegung suboptimal für die Funktionalität des Immunsystems sind.

Experten bezeichnen die ersten 3-72 Stunden nach einem Marathon (oder jeder anderen Art von extremem Fitness-Event) als offenes Fenster für Infektionen. Die “offene Fenster” Theorie wurde von Dr. David C. Nieman, Professor in der Abteilung für Gesundheit, Freizeit und Sportwissenschaft an der Appalachian State University, geprägt. In einer Studie, die das Feld der Sportimmunologie gründete, befragten er Teilnehmer des Los Angeles-Marathon bezüglich ihres Gesundheitszustandes. Während 12,2% der teilnehmenden Läufer in der Woche nach dem Marathon krank wurden, waren es nur 2,2% der in ähnlicher Weise trainierten Läufer, die nicht am Marathon teilnahmen.

 Was passiert in unserem Körper während wir laufen?

Wenn wir Sport treiben, produziert unser Körper immune Mediatoren wie IL-6. Diese Moleküle aktivieren zunächst Immunzellen, so dass sie auf mögliche Krankheitserreger aufmerksam werden. Die Zahl der Monozyten und Makrophagen, zum Beispiel, steigt während körperlicher Betätigung stark an. Dies und der erhöhte Blutfluss zu den Schleimhäuten der Nase und Lunge können uns gegen Krankheitserreger schützen.

Muskelzellen produzieren IL-6 selbst. Auf diese Weise können Immunzellen rekrutiert werden um mögliche Schäden an Muskeln zu reparieren. Auf IL-6 folgt die Freisetzung von anderen Cytokinen, wie IL-10 und Stress-Molekülen, wie Cortisol. Sowohl die Immunmediatoren als auch Cortisol können entzündungshemmende Reaktionen hervorrufen, die geringfügigen, chronischen Entzündungen entgegenwirken. Dieser Mechanismus ist die Grundlage für den Glauben, dass Sport Entzündungs-getriebene Krankheiten wie Diabetes und Herzerkrankungen verhindern kann.

Die Menge der freigesetzten Mediatoren korreliert mit der Länge der sportlichen Aktivität. Lang anhaltende Trainingseinheiten und Rennen können die entzündungshemmende Funktion so sehr verstärken, dass die Fähigkeit des Immunsystems auf Infektionen zu reagieren eingeschränkt ist. Der Effekt erstreckt sich über verschiedene Immunzellen-Typen – einschließlich verminderter NK-Zell-Toxizität, verringerter Lymphozyten-Proliferation und Antikörper (IgA) Produktionen. Dieser Überblicksartikel aus dem Jahr 2000 fasst alle bekannten Auswirkungen auf das Immunsystem schön zusammen.

Die Hemmung des Immunsystems klingt dramatisch. In Wirklichkeit ist das Ganze aber nicht nur zeitlich begrenzt – unser Immunsystem erholt sich innerhalb von 1-3 Tagen – es bedeutet auch nicht, dass Marathonläufer einen Immundefekt haben. Marathonläufer können noch Krankheitserreger abwehren. Sie sind aber – zumindest statistisch – anfälliger dafür krank zu werden. Mit einfachen Mittel lässt sich das aber verhindern.

Tipps, um gesund zu bleiben

Die Hemmung des Immunsystems macht uns nicht krank. Der Kontakt mit Krankheitserregern schon. Es ist daher wichtig, solchen Kontakt nach dem Marathon zu minimieren. Sicher ist das leichter gesagt als getan wenn man in einer Gruppe von 40 000 Menschen läuft und einem noch weitere eine Millionen Menschen an der Seitenlinie zu jubeln. Nichtsdestotrotz, sollten sich Läufer nach dem Rennen die Hände waschen und versuchen engen Kontakt mit Menschen zu vermeiden.

Genug trinken. Dehydration lässt die Kehle austrocken und macht sie damit anfälliger für das Eindringen von Krankheitserregern.

Immunzellen können ohne Glukose nicht funktionieren. Läufer sollten sicher stellen, dass sie direkt nach dem Rennen Kohlenhydrate zu sich nehmen, um der Regeneration der Immunzellen zu helfen! Darüber hinaus können Nahrungsmittel wie grünes Gemüse, Bohnen und Früchte das Immunsystem zusätzlich stärken, da sie reich an Vitaminen, Zink und Eisen sind.

Schlafmangel ist Stress, und wie wir oben gelernt haben, können Stresshormone wie Cortisol das Immunzellen hemmen. Kein Grund also sich schlecht zu fühlen wenn man mal wieder die Snooze-Taste drückt.

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