Babys oder Karriere: Der Versuch junge Forscher in der Wissenschaft zu halten.

The english version of this post was published on the NatureJobs Blog in June 2016.

Könnten geteilte PostDocs die Vereinbarkeit von Arbeits- und Privatleben verbessern und eine Karriere in der Wissenschaft attraktiver machen?

Wenn man nach Ratschlägen bezüglich einer Balance zwischen Arbeits- und Privatleben in der Wissenschaft sucht, scheint die Botschaft klar: es ist möglich, einen 10-Stunden-Arbeitstag mit Kindern und der Familie zu vereinbaren, solange man organisiert ist. Flexible Arbeitszeiten im Labor helfen dabei. Experimenten ist es egal wann sie gemacht werden. Sei es in den Nachtstunden, wenn die Kinder schlafen. Nichtsdestotrotz werden lange Stunden im Labor erwartet um erfolgreich zu sein. Es ist also kaum verwunderlich, dass für viele PostDocs (einschließlich mir, einem PostDoc in ihren Dreißigern) die Aussicht, jede Minute jedes Tages durchzuplanen, um ein guter Elternteil und Wissenschaftler zu sein, erschreckend ist. Dies lässt vielversprechende junge Wissenschaftler überall zu dem Schluss kommen, dass sie sich zwischen Familie und Karriere entscheiden müssen.

Aber sollte “Organisation” wirklich unser bester Rat an Eltern-Wissenschaftler sein? Sollten wir nicht vielmehr versuchen flexible, vom 10-Stunden-Tag abweichende Modelle zu fördern? Sollten wir nicht Wege finden, um hochqualifizierte, junge WissenschaftlerInnen, die ihre Familie priorisieren wollen, in der akademischen Welt zu halten?

Eine Option wäre der viel belächelte Teilzeit PostDoc. Nur 2,5% der PostDocs arbeiten in Teilzeit. Im Vergleich: außerhalb der Wissenschaft arbeiten 25% der Angestellten in Teilzeit. Viele PostDocs und Gruppenleiter vertreten die Meinung, dass “Teilzeit” und “PostDoc” einfach nicht zusammen passen. Ich persönlich kann nicht viel Negatives am geteilten PostDoc, bei dem sich zwei PostDocs das gleiche Forschungsprojekt teilen, finden. Zwei (Teilzeit-) Paar Hände bedeuten, dass ein Projekt immer noch mit einem zügigen Tempo voran schreitet, und lange Versuchsaufbauten weiter möglich sind.

Neben der Arbeitsleistung, können zwei Köpfe bei der Entwicklung neuer Experimente und Ansätze eigentlich nur von Vorteil sein. Aus Sicht eines PI scheint es auch nur wenige Nachteile bei der Einstellung von zwei Teilzeit-PostDocs anstelle eines Vollzeit-PostDocs zu geben, und das Konzept des “Job-Sharings” ist bereits in Unternehmen wie BASF in Verwendung.

Warum ist dieses Modell also nirgends in der Wissenschaft zu finden? Sicherlich nicht auf Grund von mangelnder Nachfrage.

Nein. Was dieses Modell meiner Meinung nach zurück hält, ist ein weit verbreitetes Stigma. Der Gedanke das man nur ein guter Wissenschaftler sein kann wenn man bereit ist 50-60 Stunden pro Woche zu arbeiten und alles andere zurück zu stellen. Wer das nicht ist, hat keinen Platz in der Wissenschaft verdient. Ich bin mir nicht sicher, woher diese Sicht stammt, aber ich denke, dass der Druck, viele Veröffentlichungen in hochkarätigen Journalen unterzubringen, um sein eigenes Gehalt und seine Karriere zu sichern, etwas damit zu tun hat.

Ein offener Zugang zu Journalen und Bewertungen einer Karriere anhand intelligenterer Veröffentlichungs-Metriken könnte diesen Druck senken. Das größte Problem ist aber unsere eigene Einstellung als Wissenschaftler. Forschungsgelder werden oft durch Peer-Review vergeben. Es liegt also an uns als Gemeinschaft, unsere Denkweise bei der Überprüfung von Lebensläufen zu ändern – Teilzeitarbeit, geteilte PostDocs und Kinder sollten nicht länger als Problem gesehen werden, oder können wir es uns leisten, all diese hochqualifizierten Personen gehen zu lassen?

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