Monograph oder kumulativ: Was ist der beste Weg eine Doktorarbeit zu schreiben?

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In der UK werden Doktorarbeiten als ein langer Monograph verfasst. Also habe ich 2012, rund 300 Seiten darüber verfasst, was ich in den letzten drei Jahren gemacht habe. Vier Ergebniskapitel plus Einführung, Methoden und Diskussion. Aber Doktorarbeiten sehen nicht überall gleich aus. In Skandinavien und den Niederlanden schreiben die Studenten kumulativ – das heißt, sie heften einfach ihre Publikationen zusammen.

Im Juli 2016 publizierte Nature zwei  Artikel (1, 2)  zu diesem Thema. Beide diskutieren, ob die „altmodische“ Art der Doktorarbeit– also der Monograph – aktualisiert werden sollte. Publikationen sind die Währung der Wissenschaft. Während der Doktortitel ein Muss für die meisten Post-Doktor-Arbeitsplätze ist, sind es die Veröffentlichungen die man in seiner Doktorzeit publiziert (vorzugsweise in High-Impact-Journalen), die einem den Job sichern. Sollten die Prioritäten der Studenten daher nicht auf Publikationen liegen, anstatt ihre Zeit an einen langen Monographen zu verschwenden?

Für die Karriere klingt das nach dem richten Ansatz. Wissenschaftler brauchen Publikationen um ihre Karriere voran zu treiben. Einige Annahmen die diesem Ansatz zu Grunde liegen finde ich persönlich allerdings beunruhigend.

Nicht alles was Doktoranden tun, kann publiziert werden. Zumindest nicht in einem vernünftigem Zeitrahmen. Ich kenne einige Studenten, die hart gearbeitet haben, aber ihre Projekte wurden trotzdem (noch) nicht veröffentlicht. Anderen Kollegen kam die Konkurrenz zuvor. Sie publizierten ähnliche Ergebnisse zuerst und machten es damit schwer, die jetzt “nicht mehr so neuen” Daten zu veröffentlichen. Zum Leid einiger Studenten veröffentlichen manche Gruppenleiter nur in High-Impact-Journalen – was dazu führt das Studenten entweder gar nicht publizieren oder länger als die ursprünglich vereinbarten 3-4 Jahre in Labor bleiben müssen.

Selbst wenn man gute Ergebnisse hat, publizieren kann ein langwieriger Prozess sein. Es kann Monate oder sogar Jahre dauern bis eine Veröffentlichung, nach Begutachtung durch andere Wissenschaftler und entsprechenden Verbesserungen, online ist. Ich kenne nur wenige Beispiele, in denen Studenten im Rahmen ihrer Promotion veröffentlicht haben. Viele publizieren erst nachdem sie ihren Abschluss haben. Meine Hauptpublikation wurde fast ein Jahr nach meinem Abschluss veröffentlicht. Zeitbegrenzungen und der Druck, publizieren zu müssen um sein Studium abzuschließen, könnten entweder dazu führen, dass Doktoranden viel länger studieren müssen oder zur Veröffentlichung von kleineren Artikeln – die längerfristig weniger ideal für ihre Karriere sind.

Druck in einem bestimmten Zeitrahmen publizieren zu müssen kann auch die Art der Projekte, die Studenten annehmen, ändern. Weniger Studenten werden dazu bereit sein spannende aber riskante Projekte zu wählen. Wenn eine neue Methode nicht funktioniert und das Projekt fehlschlägt, gibt es ja keine Publikation und damit kein Abschluss.

Des weiteren begrenzen Journale die Menge an Details, die Autoren wiedergeben können. Sie zeigen nur ein paar Experimente, die zu einer guten Geschichte zusammen gefasst werden können. Studenten werden gezwungen in Publikationen zu denken, anstatt kreativ Wissenschaft zu betreiben. Obwohl es fraglich ist, ob nicht alle Studenten mittlerweile eh schon in Publikationen denken. Ich glaube aber, dass die Doktorzeit die Zeit ist um sich selbst zu testen und verschiedene Dinge auszuprobieren. Später müssen Studenten immer Publikationen und Fördermittelanträge abliefern. Sicher, Druck während der Doktorarbeit zu publizieren könnte sie für diesen Schritt vorbereiten, aber ich denke, es ist eine Frage der Definition. Für mich sollte ein Student experimentieren und versuchen, selbst seinen Weg zu finden.

Zusätzlich lassen Wortlimitationen in Publikationen kaum Raum zu zeigen, wie man Probleme gelöst hat. Auch die Fähigkeit Wissenschaft zu kommunizieren sollte ein zentraler Bestandteil der Doktorarbeit sein. Kumulative Doktorarbeiten ermöglichen dies nur begingt. Sie bedürfen zwar einer allgemeinen Einführung und Diskussion – diese geben den Studenten aber nur wenig Raum ihr kreatives Denkvermögen außerhalb der Publikation zu demonstrieren.

Eine weitere Annahme für die kumulative Doktorarbeit ist, dass die Studenten tatsächlich ihre Papiere selbst schreiben. Sicher die Meisten schreiben die ersten Entwürfe, aber ich weiß auch von Beispielen, wo die Gruppenleiter alle Veröffentlichungen selbst schreiben und alles was die Studenten schreiben dürfen ist ihre Dissertation. In jedem Fall sind alle finalen Publikationen stark, von vielen Koautoren bearbeitet, so dass es für die Prüfer fast unmöglich ist zu bewerten, ob der Student die Fähigkeit besitzt, seine Arbeit zu kommunizieren.

Die Wissenschaft setzt mehr und mehr auf gemeinschaftliche Anstrengungen – alleinige Autorenschaft ist Utopie in unserem Zeitalter. Wie sollen wir in kumulativen Arbeiten wissen was der Student wirklich beigetragen hat? Einige Länder schreiben eine bestimmte Anzahl von Erstautorenschaften vor, vorausgesetzt, dass der erste Autor den Großteil der Laborarbeit macht und die Publikation verfasste. Aber was ist mit gemeinsamen Autorenschaften? Fälle in denen zwei Labore zusammengearbeitet und die ersten Autoren gleichermaßen beigetragen haben? Ich kenne Leute, die genau damit zu kämpfen hatten, da in Ihrem Fall die gemeinsame Veröffentlichung nicht zu den Publikationen zählte, die zum Abschluss erforderlich waren. Genau Regeln sind erforderlich für die Szenarien.

Auch ignoriert die Argumentation für kumulative Arbeiten die Tatsache, dass die meisten monographischen Arbeiten auch auf einer Publikation oder einem Entwurf basieren – zumindest in meiner Erfahrung. Um eine Karriere zu haben brauchen Wissenschaftler Publikationen, also werden die meisten Studenten ihr Bestes geben und versuchen während ihrer Promotion zu publizieren. Nicht das Einreichen einer Publikation, sondern die Erweiterung eines bestehenden Entwurfs zu einer monographischen Arbeit ermöglicht es jedoch, meiner Meinung nach, den Studierenden wirklich zu demonstrieren was sie geleistet haben.

Rückblickend war meine These übertrieben lang, so dass ein prägnanteres Format vorzuziehen ist und die meisten Arbeiten, die ich in Deutschland gesehen habe, sind 100-150 Seiten lang.

Einige Leute mögen argumentieren, dass das Umschreiben oder die Verlängerung von Publikationen zu einer Doktorarbeit, unnötige Arbeit ist. Diese Zeit könnte besser genutzt werden. Alle vier Kapitel meiner Arbeit wurden veröffentlicht. Drei von ihnen nach meiner Doktorarbeit. Die Kapitel waren Entwürfe für alle drei Publikationen. Ich würde also widersprechen. Die Arbeit war keine Zeitverschwendung sondern Vorbereitung. In einem wirklich lesenswerten Beitrag, bat Nature drei Wissenschaftler, auf ihre Doktorarbeit zurückzublicken und sich an ihre Anfänge zurück zu erinnern. Ich verstehe den Stolz den man fühlt, wenn man die komplette Arbeit in den Händen hält. Ein Stück Arbeit – viel größer als eine einzelne Publikation, die nur ein Teil der Geschichte ist – auf die man unglaublich stolz ist. Die Manifestation von Blut, Schweiß und Tränen. Aber das könnte nur ich sein. Eine Person, die es immer genossen hat zu schreiben. Vielleicht ist die Sache der Doktorarbeit einfach nicht für alle gleich und wir sollten den Studenten mehr Freiheit geben, wie sie ihre schreiben wollen.

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