Babywissenschaften

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Falls ihr meinen Blog regelmäßig besucht, ist euch vielleicht schon aufgefallen, dass ich nicht mehr so oft neue Inhalte poste. Ich bin momentan etwas abgelenkt… Aber warum nicht einfach beides kombinieren? Den Blog mit was mir im Kopf rumschwirrt füllen. In dieser neuen Kategorie werde ich über die Wissenschaft rund um Babys schreiben. 🙂

Wenn Wissenschaftler über Schwangerschaften reden, sind das selten “normale” Babygespräche. Nicht-Wissenschaftler würden sich über einige der Themen die schwangere Wissenschaftler diskutieren doch arg wundern. Als Verfechter des over-sharings, dachte ich mir, ich teile diese Diskussionspunkte, in einer Reihe von Blog-Posts, mit Euch.

Ein Gespräch, das ich vor kurzem auf der Arbeit hatte, drehte sich um die Beobachtung, dass immer mehr Frauen einen Kaiserschnitt haben und das Babys, zumindest subjektiv, immer größer werden. Morbide, wie wir anscheinend sind, stellten wir fest, dass einige unserer Freunde bevor der erste erfolgreiche Kaiserschnitt im Jahre 1794 durchgeführt wurde gestorben wären. Die Zahl der Kaiserschnitte ist, auch aufgrund von geplanten, nicht medizinisch notwendigen Operationen, in den letzten Jahren immens angestiegen. Mehr als 25% der Kinder in Großbritannien, Irland, den USA und Kanada kommen per Kaiserschnitt zur Welt. Entlastung des evolutionären Drucks auf Kopf- und Beckengröße könnte allerdings langfristige Auswirkungen darauf haben wie Geburten ablaufen.

In diesem Zusammenhang habe ich sofort an französische Bulldoggen denken müssen.  Die Hunderasse ist so über-züchtet, dass nur wenige Würfe normal geboren sind. Die meisten Welpen müssen per Kaiserschnitt geholt werden, weil ihre Köpfe einfach zu groß sind. Sie passen nicht mehr durch das Becken des schwangeren Hundes.

Bevor es Kaiserschnitte gab, haben weder groß-köpfige Babys noch Mütter mit engen Becken überlebt. So wurde die Kopfgröße und das Kopf-Becken-Verhältnis im Rahmen des „machbaren“ gehalten. Heutzutage, überleben dank verbesserten Methoden, mehr und mehr Babys die Geburt, auch wenn ihre Köpfe “zu groß” sind. Aber bedeutet das im Umkehrschluss, dass in den nächsten hundert Jahren ohne evolutionärer Druck Köpfe und Babys immer größer werden, bis die meisten Babys per Kaiserschnitt geboren werden müssen?

Auf der Suche nach wissenschaftlichen Beweisen für unsere Diskussion fand ich den folgenden Brief vom kanadischen Geburtshelfer und Gynäkologen Dr. Joseph Walsh, der unsere Gedankengänge unterstützt. “Vor der Verfügbarkeit des Kaiserschnitts waren Frauen mit einem kleinem Becken und Babys mit großem Geburtsgewicht von erheblicher Morbidität und Mortalität bedroht. Mit dem Kaiserschnitt ist die Auswahl gegen ein kleines Becken oder großes Geburtsgewicht fast beseitigt “, schreibt Walsh. “Das mütterliche Becken kann im Laufe der Zeit kleiner werden, und das fetale Geburtsgewicht kann im Laufe der Zeit größer werden, denn es gibt jetzt nichts, um diese Veränderungen zu begrenzen.”

Eine Studie, die 2016 in PNAS veröffentlicht wurde, verwendete mathematische Modelle, um Geburten und Geburtsstillstand zu betrachten und machte einige interessante Feststellungen. Geburtsstillstand ist beim Menschen erstaunlich häufig – in 3-6% der Geburten kann das Baby trotz Wehen die Pelvis nicht passieren. Hauptgründe dafür sind die Größe des Kindskopfes und des Beckens der Mutter. Die Forscher suchten daher eine Antwort auf die Frage, warum die Evolution Hirngröße und Beckenweite nicht weiter optimiert, hat in bereits veröffentlichter Literatur.

Sowohl ein großes Gehirn, als auch ein schmales Becken haben evolutionäre Fitnessvorteile. Geburtsgewicht, das mit der Hirngröße bei der Geburt korreliert, ist stark mit dem Überleben des Kindes verbunden. Ein schmales Becken soll biomechanische Vorteile für die bipedale Fortbewegung (= auf zwei Beinen anstelle von vier zu gehen) haben. Es erfolgt ein Kompromiss zwischen Gehirngröße und Becken-Dimensionen, wobei große Babies und zu schmale Becken zu einem vollständigen Verlust der Fitness führen (also zum Tod). Die Chancen für das Überleben sind aber am Besten direkt vor der Obergrenze.

Bei der Anwendung ihres Modells auf den vermehrten Einsatz von Kaiserschnitten und damit dem Verlust des evolutionären Drucks sowohl auf die Gehirn- als auch auf die Beckengröße wurde eine Zunahme der Geburtsstillstände um 9-20% prognostiziert. Dies bedeutet, dass Babyköpfe wahrscheinlich größer und Becken kleiner werden, da dies, wie oben beschrieben, evolutionäre Vorteile birgt und der Druck für den Geburtsprozess in einem bestimmten Rahmen zu fallen weg fällt. Daher wird der Bedarf an medizinisch relevanten Kaiserschnitten weiter zunehmen. Ein Teufelskreis.

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