Alltagsmasken: die “Impfung” die nicht piekst

AHA – Abstand, Hygiene und Alltagsmasken. Bis ein Impfstoff erhältlich ist, sollen diese drei Massnahmen uns vor der Ansteckung und Verbreitung von Covid-19 schützen. Ein im New England Journal of Medicine veröffentlichter Artikel stellt nun die Hypothese auf, dass Gesichtsmasken noch mehr können. Wenn die Virusübertragung nicht völlig gestoppt wird, begrenzen Alltagsmasken, ähnlich der ersten Impfversuche, die Anzahl an Viren die den Maskenträger erreichen und infizieren. Der Maskenträger wird daher weniger krank oder bleibt asymptomatisch. Falls diese Hypothese stimmt, könnte eine breite Immunität (Herdenimmunität) schneller und sicherer erreicht werden.

Diese Idee ist spannend, da Herdenimmunität erforderlich ist um die Pandemie zu beenden. Erst wenn ein ausreichend hoher Anteil an Individuen gegen die Krankheit immun ist, kann SARS-CoV-2 sich nicht mehr ausbreiten. Während die meisten Wissenschaftler der Meinung sind, dass 60-80% der Menschen immun sein müssen, damit das Virus ausstirbt, haben mathematischen Modellen ergeben das 43% ausreichen könnten. Leider sind wir weit von beiden Zahlen entfernt. Selbst Großstädte mit großen Ausbrüchen wie New York und Madrid haben Berichten zufolge „nur“ 19% bzw. 11% Immunität erreicht. Und die Kosten für dafür waren hoch. Tausende sind gestorben und die Gesundheitssysteme und Krankenhäuser wurden an ihre Grenzen und darüber hinaus getrieben. Der Konsens ist, dass nur eine Impfung einen sicheren Weg zur Herdenimmunität bieten kann.

Impfungen trainieren das Immunsystem. Sie bestehen entweder aus dem vollständigen Virus – tot oder abgeschwächt – oder einem Teil des Virus (Protein oder RNA oder DNA). Egal in welcher Form, Impfstoffe verursachen keine Krankheiten, erzeugen aber eine Immunantwort und Gedächtniszellen. Diese Gedächtniszellen schützen die Person vor dem echten Virus, wenn sie infiziert wird.

Der erste Impfstoff wurde von Edward Jenner entwickelt. Er verwendete Kuhpocken um Immunität gegen Pocken zu induzieren. Zu diesem Zweck injizierte er Menschen die Flüssigkeit aus Kuhpockenpusteln. Die Injektion einer niedrigen Virusdosis, dieses mit dem Pockenvirus verwandten Virus, verursachte nur schwache Krankheitssymptome und schützte die Patienten vor den tödlichen Pocken. Gleiches galt, wenn eine kleine Dosis Virus von den Pusteln eines Pockenpatienten auf einen Freiwilligen übertragen wurde. Diese Idee – niedrige Viruslasten zu verwenden, um Immunität zu induzieren, aber keine Krankheit – könnte jetzt durch Gesichtsmasken imitiert werden.

Gesichtsmasken senken die Virusmenge, die aus den Atemwegen in die Luft ausgestoßen wird. Eine Infektion mit SARS-CoV-2, wenn Sie (und die Menschen um Sie herum) maskiert sind, entspricht daher wahrscheinlich einer Infektion mit einer geringeren Viruslast, die wiederum einen milderen Krankheitsverlauf verursacht. Eine Korrelation zwischen Viruslast und Krankheitslast wurde bei Tieren gezeigt. So entwickeln Hamster, die mit einer höheren Dosis SARS-CoV-2 infiziert wurden, schwerere Krankheitssymptome als Hamster, denen eine niedrigere Dosis verabreicht wurde. Die Hamster verloren mehr Gewicht und zeigten mehr Veränderungen in der Lunge im CT.

Flächendeckendes Tragen von Mund-Nasen-Schutz kann daher die Anzahl milder und asymptomatischer Fälle erhöhen, wodurch Covid-19 weniger tödlich wird. Tatsächlich gibt es in Europa derzeit einen erneuten starken Anstieg neuer Covid-19-Fälle, während die Zahl der Todesopfer (bislang) deutlich niedriger ist als innerhalb der ersten Welle. Natürlich wird jetzt mehr getestet – selbst milde Fälle und asymptotische Reisende werden derzeit getestet und in der Statistik gezählt. Eine Zunahme milder und asymptomatischer Fälle kann jedoch auch damit zusammenhängen, dass die meisten europäischen Länder strenge Regeln für das Tragen von Gesichtsmasken in der Öffentlichkeit erlassen haben. Wenn dies zutrifft, kann das Tragen einer Maske uns helfen, die Herdenimmunität zu erreichen und gleichzeitig die Risikogruppen (und alle anderen!) zu schützen. Ich glaube immer noch, dass nur ein Impfstoff keine Todesfälle und Herdenimmunität garantiert – aber wenn es sein muss, infiziere ich mich lieber mit einer geringen Virusdosis und trage eine Maske.

Bildnachweis: Edward Jenner vaccinating patients against smallpox. Credit: Wellcome Collection. Attribution 4.0 International (CC BY 4.0)

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