Die Sonne und das Immunsystem

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Der Sommer ist da (ENDLICH) und alle strömen nach draußen um die Sonne zu genießen. Dass zu viel Sonnenbaden Hautkrebs verursachen kann, haben wir alle schon gehört – aber welche Auswirkungen hat die Sonne auf unser Immunsystem? Ist sie gut oder schlecht für unsere Immunzellen?

Sonnenbrand ist eine Entzündung

Wenn du zu lange in der Sonne sitzt, verursachen die UV-Strahlen (UV-B um genau zu sein) Schäden in deinen Hautzellen. Das Licht ändert die Form eines Moleküls (genannt RNA), welches daraufhin aus den Hautzellen ausgestoßen wird und Nachbarzellen, sowie das angeborenen Immunsystem, über sogenannte Toll-like Rezeptoren (TLR3) aktiviert. Die folglich infiltrierenden Immunzellen und Botenstoffe wie Zytokine bewirken die Rötungen, Schwellungen und Schmerzen die wir alle als Sonnenbrand kennen und hassen.

Wozu das alles werdet ihr euch fragen? Es ist ein Sicherheitsnetz. UV-Strahlen können nicht nur Schäden in der RNA bewirken, sondern auch in der DNA, dem Molekül, dass unsere gesamte genetische Information speichert. Schäden in der DNA können zu abnormalem Zellwachstum führen – also Krebs! Durch die Aktivierung des Immunsystems signalisieren Hautzellen, dass etwas nicht in Ordnung ist. Sie wurden beschädigt und sollen nun vernichtet werden um den Körper zu schützen.

Langfristig unterdrückt Sonneneinstrahlung jedoch das Immunsystem. Bei manchen Personen führt ein ausgiebiges Sonnenbad zum Wiederausbruch von Herpesbläschen. Das ist auch der Grund, weshalb entzündliche Autoimmunerkrankungen der Haut wie Schuppenflechte, in welcher das Immunsystem den Körper anstatt Krankheitserreger angreift, mit UV-Licht behandelt werden. Das Licht reduziert dabei die Immunantwort, was zu einer Verbesserung der Symptome führt.

Eine Verbindung zwischen Sonnenstrahlen und Immunsuppression ist Vitamin D. Die Vitamin D-Vorstufe 7DHC wird in der Haut hergestellt und kann durch UV-B-Strahlen zu Vitamin D verarbeitet werden. Das “Sonnen-Vitamin” weist immunsuppressive Eigenschaften auf, so hemmt es die B- und T-Zellteilung und reduziert die Aktivität von Immunzellen in der Haut (genannt Langerhanszellen). Im Gegensatz zu diesen Funktionen unterstützt Vitamin D aber auch die Produktion von antimikrobiellen Molekülen, die Krankheitserreger töten können – es ist also nicht nur immun-inhibierent es kann auch gegen Infektionen helfen.

Sonne oder keine Sonne – was ist gut für das Immunsystem?

Interessanterweise besteht ein Zusammenhang zwischen Vitamin D-Mangel und Autoimmunerkrankungen. Multiple Sklerose, eine Autoimmunerkrankung, in der Nervenzellen im Gehirn vom Immunsystem angegriffen werden, tritt häufiger auf je weiter man sich Äquator entfernt. Ähnliche Daten gibt es auch für Diabetes und eine klinische Studie hat ergeben, dass Kindern die Vitamin D während ihrer Kindheit als Nahrungszusatz erhalten, ein fast 90% geringeres Risiko haben Typ-1-Diabetes zu entwickeln als Kinder, die es nicht erhalten. So scheint es, dass häufiger Kontakt mit Sonnenlicht oder Vitamin D Zusatz helfen kann, Autoimmunerkrankungen vorzubeugen.

Während Immunsupression für Autoimmunerkrankungen von Vorteil ist, würde man intuitive denken, dass ein durch Sonnenstrahlen geschwächtes Immunsystem im Falle einer Infektion von Nachteil wäre. Aber falsch gedacht – mehrere Studien haben gezeigt, dass Sonnenstrahlen und der damit einhergehende höhere Vitamin D-Spiegel auch gegen Erkältungen und Grippe helfen können. Es wird angenommen, dass höhere Konzentrationen an Vitamin D zu einer erhöhten Produktion von antimikrobiellen Peptiden führt, was bei der Virusabwehr hilft. Darüber hinaus wird es der immunsuppressiven Funktion des Vitamins, die die Menge an Zytokinen und angeborenen Immunzellen reduziert, zu geschrieben, dass Patienten schwächere Symptome zeigen. In der Tat sind Grippe-Epidemien in den Wintermonaten, in denen es wenig Licht gibt und die Menschen geringere Mengen an Vitamin D haben, häufiger. So wären Nahrungsergänzungsmittel oder Lichttherapie eine mögliches Mittel gegen die Grippe. Eine kürzlich durchgeführte Studie in Japan unterstützt diese Idee. Sie zeigt, dass Vitamin D Zusatz im Winter die Wahrscheinlichkeit an Grippe zu erkranken in Schulkindern reduziert.

Also, was haben wir gelernt? Konstante, kurze (!) Sonneneinstrahlung ist gut. Sie kann vor Autoimmunität schützen und hilft die Produktion von antimikrobiellen Molekülen zu steigern. Schon 15 Minuten Sonne pro Tag sind genug, um die Tagesmenge an Vitamin D zu produzieren. Vitamine können aber nicht gespeichert werden, 2 Tage im Freibad werden also keinen Vitamin D Speicher für den Winter aufbauen. Die Zeit führt höchstens zu einen Sonnenbrand und erhöhten Krebsrisiko! Da hilft nur in den Süden ziehen und jeden Tag ein paar Sonnenstrahlen erhaschen!

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